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Höllen-Coach

Im Grund darf sich jeder Mensch irgendwann einmal als Schüler, Student, Trainee, Azubi oder Lehrling bezeichnen. Niemand kommt vollkommen auf die Welt (geschweige, dass wir sie entsprechend verlassen). Auf unserem Lebensweg begegnen uns Menschen, die uns etwas beibringen wollen: Eltern, Lehrer, Trainer. Das sind die Coaches, die wir vom Leben, der Gesellschaft oder dem Sport gestellt bekommen. Im späteren Verlauf unseres Lebens haben wir zudem häufig die Wahl, von wem wir uns unterrichten und trainieren lassen. – All das sind “Wunsch-Coaches”. 

 

Coaches, die niemand will: Höllen-Coaches

Andere hingegen helfen uns, Dinge und Situationen zu verstehen, ohne dass sie die Absicht hegen, uns voranzubringen. Sie sind nicht nur „unfreiwillige“ Trainer im Rahmen ihrer gewonnenen Position. Häufig wissen sie nicht einmal, dass sie uns in unserer Entwicklung unterstützen. Deren Position nehmen nicht selten Menschen ein, auf die wir im Leben gern verzichtet hätten: Bullies, Mobber, fürchterliche Vorgesetzte. – Das sind “Höllen-Coaches”.

Geht Ihnen gerade schon eine solche Person durch den Kopf? Erinnern Sie sich eventuell an jemanden, der Sie etwas lehrte, ohne dass Sie darum gebeten haben? Mitunter ist es der eben benannte Bully aus unserer Schulzeit, der uns jeden Morgen piesackte, sobald wir den Schulhof betraten. Er lehrte uns, auszuhalten, Stärke zu beweisen und mitunter auch einfach ignorant gegenüber dummen Sprüchen zu sein. Eventuell zeigte uns sein Verhalten auch, wie wichtig es sein kann, uns zur Wehr zu setzen und wirklich allen Mut zusammenzunehmen, um den regelmäßigen Schikanen dauerhaft den Nährboden zu entziehen. 

Ganz gleich, wie furchtbar Situationen auch gewesen sein mögen. Diese Menschen haben uns etwas mitgegeben – und ich hoffe inständig, dass Sie aus diesen Begegnungen keine dauerhaften Traumata oder Schäden mitnehmen mussten. Vielmehr bin ich in Gedanken bei Ihnen und hoffe, dass Sie diese unangenehmen Zusammenkünfte haben wachsen lassen. 

 

Wozu gibt es Höllen-Coaches?

Ein guter Freund meinte einmal: “Ich habe keine Feinde. Ich habe nur Freunde und Trainer.” 

Dieser Satz ist eine schöne Abwandlung der englischen Binsenweisheit: “You either win or learn!” – “Entweder gewinnst du oder du lernst!” 

Die Trainer aus dem Reich Beelzebubs führen uns an Grenzen. Das können mentale, seelische der auch körperliche Grenzen sein. Doch im Endeffekt zeigen sie Leistungsmängel auf, die es abzustellen gilt, um im Leben voranzukommen. Hierzu fällt mir die Geschichte eines Klienten ein, der erzählte:

“Meine Chefin hasst mich. Sobald sie zur Tür hereinkommt schreit sie. Ich habe schon morgens Angst, ihre harten Tritte auf dem Gang zu hören. Die Frau schafft es, Türen aufzuknallen. Projekte werden in den Raum gebrüllt und nicht besprochen. Fragen werden nicht beantwortet. Stattdessen darf sich jeder, der sich erdreistet, sie mit Fragen zu nerven, auf eine verbale Sonderbehandlung gefasst machen. Jeden Nachmittag überlege ich zu kündigen, aber ich traue mich nicht!”

Der junge Mann, nennen wir ihn Hannes, ist 25 Jahre alt, studierter Betriebswirt, sportlich, adrett und clever. Es ist sein erster Job in Festanstellung. – Natürlich könnte ich Ihnen nun einige weitere Episoden anbieten, doch kommen wir zum eigentlichen Problem: Hannes leidet, wie seine KollegInnen auch, unter Bossing. Dies ist eine Form des Mobbings, welche durch das Verhalten eines despotischen Vorgesetzten definiert wird. Dagegen kann er sich nur schwerlich wehren. Sobald er Grenzen setzt oder sich in höherer Instanz beschwert, werden ihm Strafarbeiten aufgetragen, die kaum zu schaffen sind. Würde er daran scheitern, droht ihm die Entlassung. 

Was Hannes lernen muss: Aus einem Job auszusteigen, obwohl man nur wenige Monate dort gearbeitet hat, ist nicht schlimm. Zudem lernt er durch den Umgang mit seiner Chefin, wie schlimm Arbeitsverhältnisse dieser Art sein können. Die Erfahrung wird ihn zukünftig sehr deutlich prüfen lassen, in welchem Umfeld er eine Tätigkeit aufnehmen möchte. – So schlimm es auch erscheint: Seine Chefin ist ein Höllen-Coach, die ihn voranbringt, ohne es zu wollen. 

 

Höllen-Coaches sind schlimm und notwendig zugleich

Manches lernen wir nur durch negative Emotionen. Angst, Frust, Schmerz, Trauer – sie sind Teil unseres Lebens und helfen uns, Negativabgrenzungen aufzubauen. Diese Gefühlswelten sind wertvoll, auch wenn wir täglich versuchen, sie aus unserem Alltag auszusperren. Höllen-Coaches sind Überbringer schmerzhafter Lehren, die uns voranbringen, stärken und schlussendlich reifen lassen. Ob wir nun wollen oder nicht. 

Schlussendlich ist es eine Frage der Perspektive. Als was wollen Sie die Unpersonen Ihres Lebens sehen: als Feinde oder als Trainer? Die Wahl liegt bei Ihnen!

 

 

 

 

 

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links: Christian Berndt sitzt auf einem Sessel und blickt nachdenklich aus einem Fenster ; rechts: Schriftzug "Morgen, ganz bestimmt. aber spätestens übermorgen mach ich es. Warum wir gerne warten"

Die Angst vor Zurückweisung

Immer wieder kommen wir in Situationen, in denen wir unsere Meinung preisgegeben müssen, ob wir etwas möchten oder dagegen sind. Wir gelangen an unsere Grenzen

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links: Christian Berndt verkreuzt die Arme und blickt nach oben ; rechts: Schriftzug in Grün "42!", darunter Schriftzug in weiß "... oder, wie gehe ich ein Problem richtig an."

42

Wie war die Frage noch gleich? Stimmt, nach dem Sinn des Lebens. Der Sinn des Lebens wäre jetzt natürlich etwas weit hergeholt aber nicht die

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links: Christian Berndt blickt entschlossen in die Kamera ; rechts: Schriftzug "Performanceverlust durch Micromanagement Kannst du dich davon freisprechen?"

Micromanagement

Ich hatte viele Jahre einen Satz im Kopf, den ich gut fand und der mich bewusst und unbewusst beeinflusst hat.. heute sage ich mir.. man

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links: Christian Berndt blickt entschlossen in die Kamera ; rechts: Schriftzug "Ameise oder Kämpfer. Du entscheidest"

Ameise oder Kämpfer

Neulich im Bewerbungsgespräch: Chef: „Wir suchen jemanden, der über den Tellerrand hinaus schaut, auch mal anders denken kann, der kreativ ist und sagt, wenn etwas

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